Werte – die ungeschriebenen Gesetze

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Wer braucht in einer modernen Gesellschaft noch Werte? Sind Werte inzwischen ein Relikt aus vergangenen Tagen und komplett überflüssig, insbesondere im Berufsleben? Schließlich gibt es Unternehmensregeln und wenn sich alle daran halten, gibt’s auch kein Problem, oder?

WEIT GEFEHLT

Werte sind das ungeschriebene Gesetz. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Miteinander. Sei es im Umgang mit Familie und Freunden oder im Berufsleben. Jeder Mensch hat seine eigenen Werte und möchte, dass diese respektiert werden. Werden Deine Werte nachhaltig missachtet, entsteht Stress und es kommt nicht selten zu Konflikten.

WERTE HELFEN KONFLIKTE ZU VERMEIDEN

Unausgesprochene Konflikte sind wie ein Geschwür, das sich immer tiefer in das Team hineinfrisst. Sehr oft liegen Konflikten missachtete Werte zugrunde. Und dennoch, kaum eine Führungskraft nimmt sich tatsächlich Zeit, gemeinsam mit dem Team oder gar auf Unternehmensebene, Werte zu definieren. Ein großer Fehler, wie ich meine. Betrachten wir Werte genauer.

WAS SIND WERTE?

Werte oder Wertvorstellungen sind moralisch oder ethisch für gut befundene Wesensmerkmale einer Person innerhalb einer Wertegemeinschaft. Die Beschreibung macht, finde ich, sehr schön deutlich, was das Dilemma mit Werten ist. Es ist im Grunde unklar. Je nach Zusammenhang wird das Wort „Werte“ unterschiedlich interpretiert und selten spezifiziert. Selbst bei inflationärer Nutzung des Begriffs bleiben wir häufig die Konkretisierung schuldig. Andere Begriffe für Werte sind z. B. Normen, Geisteshaltung, Weltanschauung, Grundordnung oder Leitbild. Du siehst, es ist ein weites Feld.

Vielleicht ist es das, was uns zurückschrecken lässt. Ein schwer greifbares Thema das sich noch schwerer in die Arbeit mit Deinem Team integrieren lässt, oder?

Nachstehend ein paar Beispiele für Werte:

  • Akzeptanz
  • Kreativität
  • Verantwortung
  • Liebe
  • Qualität
  • Dankbarkeit
  • Mitgefühl
  • Achtsamkeit
  • Treue
  • Freiheit

Natürlich gibt es viel mehr Werte. Für den Moment soll es uns aber genügen. Anhand der Liste wird deutlich, wie unterschiedlich Werte aussehen können. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von dem, was ihm wichtig ist. Und genau aus diesem Grunde halte ich es für immens wichtig, darüber zu sprechen.

WERTE-KATEGORIEN

Im beruflichen Miteinander würde ich das Thema Werte in drei Kategorien einteilen.

  • Unternehmenswerte.
  • Teamwerte.
  • Persönliche Werte.
UNTERNEHMENSWERTE

Unternehmenswerte sind die Identität eines Unternehmens und dienen, ebenso wie Teamwerte, der Orientierung der Belegschaft. Wenn Unternehmenswerte nicht die Realität des Unternehmens widerspiegeln, also nicht das beinhalten, was tatsächlich gelebt wird, ist das ein Problem. Sollen Unternehmenswerte doch eine verantwortungsvolle Haltung aller Mitarbeiter:Innen erzeugen. Sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die Unternehmenskultur werden nachhaltig beschädigt, wenn Werte definiert aber nicht gelebt werden.

Sollte es in Deinem Unternehmen keine klar definierten Unternehmenswerte geben, schlage ich vor, Du thematisierst das bei der Unternehmensleitung. Aber erst, nachdem Du selber Deine Hausaufgaben gemacht hast. Nämlich mit Deinem Team die Teamwerte festgelegt und Deine persönlichen Werte kommuniziert hast. Dann bist Du gut vorbereitet für eine Diskussion, weißt, worüber Du sprichst und kannst Erfahrungen aus Deinem Verantwortungsbereich einfließen lassen. Das ist unfassbar hilfreich, insbesondere wenn es um die Beantwortung des „Warum“ geht.

TEAMWERTE

Die Teamwerte sind das Grundgerüst für das gesamte Team. Teamwerte geben Klarheit, Orientierung und Sicherheit im täglichen Miteinander. Um die Teamwerte zu definieren, solltest Du Dir und dem Team ausreichend Zeit zur Diskussion und Definition einräumen. Am Ende müssen die Teamwerte von allen mitgetragen werden. Bei der Definition der Teamwerte sollte jedes Teammitglied aufschreiben, was ihm/ihr wichtig ist. Aus der Schnittmenge bildet Ihr die Teamwerte. Vergiss bitte nicht Deine eigenen Werte mit unterzubringen.

MACHE TEAMWERTE SICHTBAR

Schreibt die Teamwerte auf, macht sie öffentlich und macht sie insbesondere für das eigene Team sichtbar. Vielleicht könnt Ihr ein Poster drucken, sie auf dem Homebildschirm als Hintergrundbild nutzen, Untersetzer bedrucken oder was auch immer. Hauptsache ihr macht sie sichtbar und habt einen ständigen Reminder.

Eine Missachtung von Teamwerten muss thematisiert werden. Sofort. Lasse es nicht durchgehen, wenn Eure Teamwerte missachtet werden und verschiebe die Thematisierung nicht auf morgen. Wenn Du das tust, drückst Du damit aus, dass Dir die Werte nicht so wichtig sind. Das sendet ein fatales Signal ans Team und wird, bei Wiederholung, das Miteinander im Team zerstören.

PERSÖNLICHE WERTE

Bevor Ihr beginnt die Teamwerte zu definieren, sollte sich jede(r) im Klaren sein, welche die persönlichen Werte sind. Nimm Dir Zeit für die Definition und fertige eine Liste mit Deinen persönlichen Werten an. Begründe kurz, warum Dir welcher Wert wichtig ist. Nur wenn Du Dir selber im Klaren darüber bist, was Dir wichtig ist, kannst Du bei der Definition der Teamwerte entscheiden, welche der persönlichen Werte im Hinblick auf die Teamwerte „verhandelbar“ sind und welche auf keinen Fall. Es wäre ja möglich, dass Kreativität für Dich persönlich wichtig ist, Du das als Teamwert aber weniger relevant findest. Dafür ist es Dir wichtiger, Qualität als einen gemeinsamen Wert zu definieren. Du möchtest, dass Du und Dein Team stets eine top Qualität abliefert. Dann gehört das unbedingt auf die Liste der Teamwerte. Kommuniziere dem Team gegenüber auch warum Dir ein bestimmter Wert wichtig ist.

LASS’ NICHT ZU, DASS DEINE WERTE MIT FÜSSEN GETRETEN WERDEN.

Wenn Kreativität für Dich persönlich ein wichtiger Wert ist, wäre das etwas, was Du sowohl dem Team gegenüber als auch unbedingt der Unternehmensleitung gegenüber erklären solltest. Hier geht es nämlich um Dein Wohlbefinden und darum, was Dir für Deine Arbeit wichtig ist. Wenn Du das nicht kommunizierst, weiß es niemand und Deine Erwartungen bleiben unerfüllt. Das führt zu Frust, denn Deine Werte werden vielleicht ständig unbewusst missachtet.

Da oftmals weder die Mitarbeiter:innen, noch die Führungskräfte ihre Werte klar definieren und begründen, bleibt das Thema nebulös und bereitet den Boden für handfeste Konflikte. Insbesondere in einer Arbeitswelt die immer flexibler und mobiler wird, ist es wichtig, gemeinsame Werte zu haben. Wenn Euch gelingt, dem Thema die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken und die Werte nachhaltig umzusetzen, wird der Wohlfühlfaktor sprunghaft ansteigen. Ihr habt ein gemeinsames Fundament geschaffen, dass sowohl dem bestehenden Team als auch Neuzugängen Sicherheit und Orientierung im Umgang miteinander gibt.

FAZIT

Werte sind alles andere als out. Werte bilden das Fundament des menschlichen Umgangs miteinander und vermitteln Orientierung und Sicherheit.

Beginne damit, Dir über Deine persönlichen Werte klarzuwerden. Liste Deine Werte auf und begründe für Dich, warum Dir die einzelnen Werte wichtig sind. Kennzeichne die Werte, die bei der Definition von Teamwerten „verhandelbar“ sind und die Werte, die in keinem Fall verhandelbar sind. Kommuniziere Deine persönlichen Werte, damit sie durch Dein Umfeld respektiert werden können.

Definiere als Nächstes mit Deinem Team die Teamwerte und stelle sicher, dass sie gelebt und respektiert werden. Lasse es nicht durchgehen, wenn jemand die Werte missachtet.

Sollte es keine Unternehmenswerte geben, thematisiere das bei der Unternehmensleitung. Erläutere, warum Du es für wichtig hältst, berichte aus Deinen gemachten Erfahrungen und biete an, das Projekt „Werte“ federführend zu übernehmen.

Du möchtest näher in das Thema einteigen?

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